Du bist seit 2013 im Stiftungsrat der PK SBB und seit 2021 deren Präsident. Warum braucht es eine gemeinsame Wahlliste SEV/VBSLF/KVöV/transfair?
Der Stiftungsrat setzt sich paritätisch aus Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitnehmenden und der Arbeitgebenden zusammen. Unsere Wahlliste setzt sich aus vier Personen des SEV, einem Vertreter des VSLF und einem Vertreter des KVöV zusammen. Es ist sehr wichtig, dass wir als Arbeitnehmende geschlossen auftreten. Geeint können wir uns im Stiftungsrat dafür einsetzen, dass die PK SBB eine Strategie im Interesse der Versicherten verfolgt.
Was heisst das konkret?
Im Setting der letzten dreieinhalb Jahre dürfen wir wirklich von einer regelrechten Erfolgsgeschichte sprechen. So haben wir beispielsweise letztes Jahr eine Performance realisiert, die deutlich über dem Durchschnitt liegt. Dies unter anderem, weil wir die Anlagestrategie so angepasst haben, dass wir an den Finanzmärkten mehr Opportunitäten nutzen. Als ich vor rund einem Jahrzehnt in den Stiftungsrat kam, hatte die PK SBB eine sehr schwierige Phase hinter sich, in der auch eine Sanierung nötig war. Diese Phase ist jetzt überwunden. Wir sind deutlich robuster unterwegs und können uns somit auch vom puren Risikomanagement verabschieden. Da schaut im Erwartungswert mehr heraus für die Versicherten. Damit sind sowohl die Pensionierten als auch die Aktiven gemeint. Wir befinden uns in einer guten Phase, in der wir uns mit Leistungsverbesserungen auseinandersetzen dürfen. Anfang Jahr konnten wir zum Beispiel den Pensionierten eine Prämie von 1000 Franken auszahlen und den Aktiven eine Mehrverzinsung von 1,3 % bzw. 2,3 % gewähren, statt den BVG-Mindestzins von 1 %. Nachdem wir ein Beteiligungsmodell für die Mehrverzinsungen bei den Aktiven entwickelt und eingeführt haben, sind wir nun dran, dasselbe für den Teuerungsausgleich für Rentnerinnen und Rentner zu tun. Dadurch werden wir für Leistungsverbesserungen flächendeckend eine reglementarische Basis haben.
Ist es schwierig, die verschiedenen Interessen innerhalb des Stiftungsrates unter einen Hut zu bringen?
Im Vorfeld der Stiftungsratssitzungen sitze ich in der Regel mit dem Geschäftsführer, Iwan Lanz, und dem Vizepräsidenten und Arbeitgebervertreter, Markus Jordi, zusammen und wir diskutieren verschiedene Lösungsansätze für anstehende Entscheidungen. Dann treffe ich mich mit den Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitnehmenden und wir bereiten unsere Positionen vor. An den Stiftungsratssitzungen einigen wir uns dann auf gemeinsame Lösungen. Das funktioniert in der jetzigen Zusammenstellung meistens sehr gut. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir auch in Zukunft mit dieser Zusammensetzung des Stiftungsrats arbeiten können. Würde jemand von uns abgewählt, ginge viel wertvolles Know-how verloren. Es ist unheimlich wichtig, dass alle Versicherten die sechs Kandidierenden der gemeinsamen Kandidatenliste SEV/VSLF/KVöV/transfair unterstützen. Jede Stimme zählt.
Wie sieht die Zukunft der PK SBB aus?
Wenn wir im bestehenden Team fortfahren können, sind wir in Bezug auf Erfahrung und Kompetenzen gut gewappnet. Auch für den Fall, dass wieder schwierigere Zeiten auf uns zukommen. Im Moment können wir sehr viel Gutes tun und stehen vor grossen Chancen. Zum Beispiel sorgen wir dafür, dass unsere Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt wird. Wir konnten in den letzten Jahren unser Anlagenportfolio so anpassen, dass unsere Anlagestrategie 30 % weniger CO2-Emissionen generiert. Mit dieser Strategie fahren wir fort, natürlich immer ohne dabei unnötige Risiken einzugehen oder an Performance einzubüssen.
Michael Spahr