Heute ist es zentral, sich während dem Berufsleben stetig weiterzubilden. Wieso ist es auch wichtig, sich als Mitglied des SEV in Gewerkschaftsthemen zu schulen?
Da gibt es zwei wesentliche Gründe aus meiner Sicht. Nach jahrelang konstanten Verhältnissen findet momentan ein Generationenwechsel in den Vorständen der SEV-Sektionen statt. Viele Kolleginnen und Kollegen werden pensioniert, wodurch auch über Jahre aufgebautes Gewerkschaftswissen verschwindet. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir jetzt das Wissen an die nächste Generation weitergeben können. Es ist zentral, dass die Aktiven ihren Auftrag verstehen. In meinen Kursen (siehe Kasten) lernen wir die wichtigsten Rechte und Pflichten in der Gewerkschaftsarbeit und die Verankerung des SEV in den Betrieben kennen.
Zudem findet dank den Kursen ein Austausch mit Kolleg:innen statt, die mit gleichen Herausforderungen im Arbeitsleben konfrontiert sind. Es werden Netzwerke geknüpft und Tipps weitergegeben. Eine soziale Komponente der Weiterbildung, die für mich sehr wichtig ist.
Du unterrichtest seit fünf Jahren für den SEV. Hat sich am Publikum und den Kursen im Laufe der Zeit etwas verändert?
Mir fällt auf, dass das Durchschnittsalter der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer immer weiter sinkt, was natürlich in erster Linie mit dem vorher angesprochenen Generationenwechsel in den Vorständen zu tun hat. Es freut mich persönlich sehr, dass sich junge Leute für die Gewerkschaft engagieren und sich auch mit Weiterbildungen für die Ämter fit machen. Aber es gibt da sicher noch Potenzial. Darum: Kommt in die Kurse des SEV, baut neues Wissen und Netzwerke auf!
Die Kurse des SEV sind sehr praxisnah aufgebaut. Das ist auch das Schöne an den Bildungskursen: Die Kursleiter:innen sind in der Regel in beiden Welten verankert, in der Berufswelt und in der Gewerkschaft.
Ich für meinen Teil habe das Modul 3 («Aktiv im Vorstand») letztes Jahr neu aufgegleist. Wir simulieren nun Mitgliederversammlungen, führen diese 1:1 durch und erleben demokratische Grundprozesse. Powerpoint-Kurse und Frontalunterricht gehören für mich der Vergangenheit an. Der heutige Unterricht ist viel interaktiver, die Teilnehmenden werden miteinbezogen, es gibt Rollenspiele, Gruppenarbeiten und eben Simulationen.
Die Vorbereitung eines solchen Kurses ist aufwändiger geworden. Es braucht mehr Spontanität, denn die Teilnehmenden bringen auch eigene Themen ein. Für sie bringt diese Form aber einen grossen Mehrwert.
Wird es künftig auch Online-Kurse geben?
Nein, bei mir wohl nicht. Nicht bei diesen Themen für die aktiven Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen. In meinen Kursen geht es darum, Gewerkschaft zu erleben, Netzwerke aufzubauen, sich – oft auch ausserhalb der Unterrichtszeiten – auszutauschen. Das geht meiner Meinung nach nur schlecht online. Wir konnten oder mussten das während der Pandemie testen mit dem Resultat, dass sich die Teilnehmenden einen physischen Austausch wünschten.
Das hat auch mit Lernpsychologie zu tun: Wissen, dass wir mit etwas Erlebtem verknüpfen können, speichert sich besser ab, bleibt haften. Davon bin ich überzeugt.
Aber es gibt sicher andere Weiterbildungen, die nicht zwingend vor Ort stattfinden müssen.
Chantal Fischer