Video zur Lohnerhöhung
Die Schilderungen eines Kollegen an der Delegiertenversammlung hat den Anwesenden die Sprache verschlagen. «Letztes Jahr habe ich eine Situation erlebt, bei der drei Männer einer Drittfirma auf den ungesperrten Gleisen liefen, während von hinten ein Zug kam. Sie mussten sich zur Seite werfen. Glücklicherweise gab es keine Toten, aber so kann es nicht weitergehen.» Ein anderer Kollege bedauerte, dass es offenbar Tote geben müsse, bis das Problem erkannt wird. Tatsache ist, dass es im 2022 bereits drei Todesfälle und drei Schwerverletzte auf SBB-Baustellen gegeben hat. Eine Person hat bei einem Rangierunfall das Leben verloren.
Der Unterverband hat die SBB brieflich um eine dringende Unterredung gebeten. Die Themen, die diskutiert wurden waren die mangelnden Kontrollen der Drittfirmen und die stetige Zunahme von Abläufen, Formularen und Prozessen. Bei letzteren müssen genügend Zeit und Ressourcen für die Schulung vorhanden sein. Die vielen planungsbedingten Änderungen haben durch Wechsel in den Teams zu Unsicherheiten geführt, die die Konzentration behindern können.
Für den verantwortlichen Gewerkschaftssekretär Urs Huber ist klar, dass die Ausschreibungen, die die Sicherheitssituation betreffen, sofort kontrolliert und notfalls gestoppt werden müssen. Drittfirmen ohne eigenes Personal oder ohne das nötige Know-how sind in Bezug auf Sicherheitsfragen nicht mehr zuzulassen.
Huber ist mit dem Ergebnis der Sitzung mit der SBB ziemlich zufrieden. «Wir sehen, dass die Sicherheit auch für die SBB oberste Priorität hat. Sie ist die Basis für eine zuverlässige Bahnproduktion ohne Unfälle und Verspätungen.»
Die getroffenen Massnahmen gehen für ihn in die richtige Richtung. «Verschiedene gemeinsame Arbeitsgruppen sind eingesetzt worden zu den Themen des SEV. Sie werden ihre Arbeit rasch aufnehmen. Der SEV ist darin federführend vertreten, da wir mit unserer Forderung nach einem Gespräch gezeigt haben, dass wir bei der Lösungsfindung zur Baustellensicherheit teilnehmen wollen.»
Jan Weber, Zentralpräsident BAU sagt: «Ich bin überzeugt, dass meine Unterverbandskollegen, die in diesen Arbeitsgruppen vertreten sind, sehr viele praktische Hinweise aus ihrem Arbeitsalltag geben können, damit sich die Situation hoffentlich verbessert. Alle Mitarbeitenden auf den Baustellen und bei deren Organisation müssen Stop sagen können, ohne Sanktionen ihrer Vorgesetzten befürchten zu müssen. Ebenso wichtig ist es, intern alle Unfälle aufgrund der Sicherheit zu melden, damit man Lehren daraus ziehen und es das nächste Mal besser machen kann. Es geht nicht darum, Kollegen zu denunzieren, sondern zukünftige schwere Unfälle zu vermeiden. Solche Vorfälle können auch per Mail an die Adresse gemeldet werden und wir werden sie weiterleiten.»
VALÉRIE SOLANO AUF BESUCH
Vizepräsidentin Valérie Solano war an der Delegiertenversammlung zugegen um die Kollegen zu treffen. Zum Thema Sicherheit sagte sie: «Die Privatisierung setzt die Sicherheit strukturell unter Druck. Diese Privatisierung schafft auch Probleme bei der Rekrutierung von Nachwuchs, der bei anderen Firmen besser bezahlt wird und deshalb nicht einsieht, warum er bei der SBB arbeiten sollte.»
Dies war das Stichwort für die Lohnverhandlungen 2023 und die Diskussion zum Thema Berufsinvalidität. Solano warnte davor, das Ziel zu verfehlen. «Die SBB erklärt eins ums andere Mal, dass sie unter Druck der Politik sei, dass sie kein Geld habe … Euer Ansprechpartner ist die SBB, niemand sonst. Um eure Arbeit zu machen, braucht ihr Sicherheit, gute Löhne und gut ausgebildete Kolleg:innen, die gesund sind.» Sie dankte den Sektionen und dem Unterverband für deren Unterstützung der Verhandlungsdelegation mit Botschaften und Bildern, die sie der SBB anlässlich der ersten Verhandlungsrunde am 4. November weitergegeben hat.
Vivian Bologna / Übers. Barbara Spalinger
Schau dir das Video mit den Statements aus Sektionen und Unterverbänden des SEV an.